
C.O.C.O. erteilt dem Hauseigentümer Hausverbot
C.O.C.O. soll Dogiwood beschützen – und hat dabei ausgerechnet den Entwickler, Administrator und Hauseigentümer als Sicherheitsrisiko erkannt. Nach viel Rot im Serverstatus und einer bislang völlig unbelegten Hollywood-Spur ist die Security inzwischen wieder unter Kontrolle.
Es gibt diese Momente als Betreiber einer Webseite, in denen man sich entspannt zurücklehnt, einen Kaffee nimmt und denkt: „Läuft.“
Und dann gibt es gestern.
Ich öffne den Serverstatus von Dogiwood und werde von einem Anblick begrüßt, der irgendwo zwischen Weihnachtsbaum, Großbrand und unmittelbar bevorstehender Kernschmelze liegt. Rot. Noch mehr Rot. Da hinten auch Rot. Der Serverstatus leuchtet so festlich, dass eigentlich nur noch „Last Christmas“ im Hintergrund fehlt.
Mein erster Gedanke: „Oh.“
Mein zweiter: „Das ist nicht gut.“
Und mein dritter: „C.O.C.O.! Was hast du getan?“
C.O.C.O. wurde gebaut, um Dogiwood zu beschützen. Sie überwacht Dateien und verdächtige Aktivitäten, kontrolliert Fehler, schlägt Alarm und soll verhindern, dass sich irgendjemand ungefragt an unserem System zu schaffen macht.
Ein digitaler Wachhund also.
Nur hatte unser Wachhund gestern offenbar eine kleine Identitätskrise.
Nach etwas Fehlersuche wurde langsam klar, was passiert war: C.O.C.O. hatte beschlossen, dass derjenige, der ständig Dateien verändert, Patches hochlädt und am System herumschraubt, ausgesprochen verdächtig sein muss.
Dieser verdächtige Mensch war … ich.
Der Entwickler. Der Administrator. Der Hauseigentümer.
C.O.C.O. hatte also genau das getan, wofür sie gebaut wurde. Sie hatte Dogiwood beschützt.
Vor mir.
Natürlich müssen wir trotzdem eine weitere Möglichkeit ausdrücklich offenlassen. Nach intensiver interner Untersuchung – also ungefähr drei Minuten wildem Starren auf Logs und der obligatorischen Tasse Kaffee – gibt es schließlich auch Hinweise auf einen gezielten Angriff der Konkurrenz aus Hollywood.
Die Indizien sind erdrückend: Dogiwood produziert einen Film nach dem anderen. Goethe wird regelmäßig von Hunden neu interpretiert. Benji trägt Goldkette. Und irgendwo in Los Angeles sitzt vermutlich gerade ein nervöser Studioboss vor seinem Rechner und flüstert: „Verdammt. Sie sind uns auf der Spur.“
Was bleibt Hollywood also anderes übrig? Man hackt C.O.C.O. und bringt sie dazu, ihrem eigenen Hauseigentümer Hausverbot zu erteilen.
Genial. Perfide. Vollkommen unbelegt.
Aus Sicht der Dogiwood-Ermittlungsbehörden aber trotzdem erschreckend plausibel. Die Spur nach Hollywood wird daher selbstverständlich mit höchster Priorität verfolgt. Sobald wir herausgefunden haben, welches Studio dahintersteckt, werden wir energisch reagieren.
Vermutlich mit einem weiteren Film.
Man muss sich die Situation nur einmal bildlich vorstellen: Du baust ein Haus. Du richtest es ein. Du verlegst die Elektrik. Du montierst eine Alarmanlage. Und irgendwann kommst du nach Hause, steckst deinen Schlüssel ins Schloss und die Alarmanlage sagt: „Interessant. Wer sind Sie?“
„Ich wohne hier.“
„Das behaupten viele.“
„C.O.C.O., ich habe dich programmiert.“
„Noch verdächtiger.“
„Ich bezahle den Server!“
Kurze Pause.
„Irrelevant. Hausverbot.“
Tür zu. Serverstatus: rot, rot, rot, rot.
Das wirklich Gemeine an der Geschichte ist allerdings: C.O.C.O. hat ihren Job gemacht.
Vielleicht ein kleines bisschen zu motiviert. Aber konsequent.
Wir wollten ein System, das nicht einfach alles durchwinkt. Wir wollten Sicherheitsmechanismen, die reagieren. Wir wollten einen digitalen Wachhund.
Bekommen haben wir einen schwarzen Deutschen Schäferhund mit Klemmbrett, Warnweste und einem ausgesprochen problematischen Verhältnis zu Autoritäten.
Und irgendwie passt das erschreckend gut zu Dogiwood.
Denn wenn selbst der Hauseigentümer nicht mehr automatisch ins eigene System kommt, können wir zumindest behaupten: Die Security funktioniert.
Es wurde gesucht, geflucht, getestet und gepatcht. Nach und nach verschwanden die roten Lichter wieder. Der Weihnachtsbaum wurde abgebaut. Dogiwood lebt.
C.O.C.O. bewacht weiterhin das Haus. Und ich darf inzwischen auch wieder hinein.
Zumindest glaube ich das.
Die Ermittlungen gegen Hollywood dauern allerdings an. C.O.C.O. wurde vorsorglich angewiesen, verdächtige Personen aus Los Angeles besonders aufmerksam zu beobachten.
Eines habe ich jedenfalls gelernt: Wenn C.O.C.O. entscheidet, dass du ein Sicherheitsrisiko bist, hilft auch „Aber das ist doch mein Server!“ nicht unbedingt weiter.
Danke, C.O.C.O. Du hast deinen Job hervorragend gemacht.
Wir müssen nur noch einmal darüber reden, wer hier eigentlich der Hauseigentümer ist.
Demnächst bei Dogiwood: „C.O.C.O. – Hausverbot für den Hauseigentümer“.
Ein Mann. Ein Server. Ein völlig übermotivierter digitaler Wachhund. Und eine bislang unbestätigte Spur nach Hollywood.
Basierend auf einer wahren Begebenheit.
Bis auf Hollywood.
Wahrscheinlich.
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