Steven Kolb gibt seine Führungsposition beim Council of Fashion Designers of America (CFDA) nach rund 20 Jahren ab. In einer am Freitag über Substack veröffentlichten Erklärung schrieb er, dies sei der richtige Zeitpunkt, für ihn und die Organisation ein neues Kapitel zu beginnen.

Kolb blickte in seiner Stellungnahme auf die Entwicklung des CFDA während seiner Amtszeit zurück. Besonders wichtig sei ihm die Unterstützung amerikanischer Designer, kreativer Arbeit und wachsender Unternehmen gewesen. Zugleich betonte er, die erreichten Fortschritte seien nicht das Werk einer einzelnen Person gewesen. Den Mitgliedern des CFDA, Designern und Mitarbeitenden dankte er für die gemeinsame Zeit. Auch die früheren Vorsitzenden Diane von Furstenberg, Tom Ford, Thom Browne und Stan Herman hob er ausdrücklich hervor.

Der Verwaltungsrat des CFDA erklärte laut Page Six, er respektiere Kolbs Entscheidung. Das Gremium bezeichnete ihn als engagierten Leiter und unermüdlichen Unterstützer der amerikanischen Mode. Mit einer klaren Mission und einem engagierten Team wolle der Verband seine weitere Arbeit fortsetzen. Die Formulierungen sind deutlich anerkennend – die Personalie bleibt dennoch ein harter Schnitt.

Dem Bericht zufolge ereignete sich die Auseinandersetzung wenige Tage vor Kolbs Rücktritt bei einer COS-Show während der New York Fashion Week. PETA-Protestierende betraten demnach den Laufsteg und skandierten gegen Wolle in der Modebranche. In Videoaufnahmen, über die Fashionista berichtete, ist zu sehen, wie Kolb Schilder an sich nimmt und den PETA-Kampagnenmitarbeiter Mason Melito zurückdrängt. Dabei bedeckt er laut der Quelle dessen Mund und sagt: „We’re not doing this.“

Die Aufnahmen zeigen außerdem, wie Kolb eine weitere Protestierende festhält, ihr den Mund bedeckt, sie zu Boden bringt und an den Handgelenken fixiert. Melito sagte der New York Post, die beteiligten Protestierenden hätten beabsichtigt, Anzeige zu erstatten. Die Frau habe sich nach seiner Darstellung erstickt gefühlt und befinde sich in einer Notfallambulanz. Diese Angaben stammen von Melito und sind entsprechend als seine Schilderung einzuordnen.

Bei der Show war unter anderem Michelle Williams anwesend. Ein Sprecher von H&M, dem Mutterkonzern von COS, teilte Page Six mit, der Vorfall hätte nicht eskalieren dürfen. Das Unternehmen kündigte an, den Ablauf und die beteiligten Teams zu untersuchen. Mehr lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht sicher ableiten – und bei solchen Bildern ist Zurückhaltung keine schlechte Idee.

Kolb hatte sich bereits am Montag zu dem Geschehen geäußert und eine freiwillige Beurlaubung angekündigt. Er schrieb, sein Verhalten habe weder seiner Persönlichkeit noch seiner Rolle als Führungskraft entsprochen. Nachdem er die Aufnahmen selbst gesehen habe, verstehe er die Reaktionen darauf. Kolb erklärte, er habe die Protestierenden unangemessen zurückgehalten, übernehme die volle Verantwortung und entschuldige sich.

Außerdem teilte Kolb mit, er habe eine Einladung von PETA angenommen, um über die Anliegen der Organisation zu sprechen. Er hoffe, sich persönlich bei den beiden Betroffenen entschuldigen zu können. Nun folgt auf die Beurlaubung sein Rücktritt als CEO und Präsident des CFDA. Rhonda meint: Eine Entschuldigung ist wichtig. Sie ersetzt jedoch nicht die sorgfältige Klärung dessen, was geschehen ist.