Hey! Benji hier. Daniel Day-Lewis hat sein Basecap zwar nicht ganz so schief auf wie ich meines, aber sein Comeback ist trotzdem ziemlich großes Kino. Nach acht Jahren Leinwandpause ist der dreifache Oscarpreisträger mit „Anemone“ zurück – und der Film hat eine bemerkenswerte Familienverbindung im Gepäck.

Daniel Day-Lewis wurde für „Mein linker Fuß“, „There Will Be Blood“ und „Lincoln“ mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Sein letzter Film vor der Pause war „Der seidene Faden“. Mit „Anemone“ kehrte er im November 2025 in die Kinos zurück. Das Werk ist zugleich das Spielfilmdebüt von Ronan Day-Lewis, seinem Sohn.

Im Mittelpunkt steht Ray, gespielt von Daniel Day-Lewis. Er lebt seit vielen Jahren zurückgezogen als Einsiedler in einer verlassenen Hütte im irischen Wald. Die Ausgangslage klingt also nach: wenig Nachbarschaft, viel Natur und vermutlich eher selten ein freundliches „Na, wie geht’s?“. Ray hat sich von der Welt abgewandt und tritt als bärtiger, drahtiger Mann auf.

Veränderung kommt in sein abgeschiedenes Leben, als sein Bruder Jem ihn aufsucht. Sean Bean übernimmt diese Rolle. Jem hat sich nicht ohne Grund durch die Wälder zu Ray vorgearbeitet. Zwischen den Brüdern steht etwas Ungeklärtes, das den Kern der Geschichte bildet. Mehr verrät die Ausgangslage, ohne den Film vorwegzunehmen, besser nicht – schließlich soll der Wald noch ein paar Geheimnisse behalten.

Die ersten Trailer stellten „Anemone“ als visuell anspruchsvolles Drama vor. Besonders die Aufnahmen der verregneten irischen Wälder gehören zu den auffälligen Elementen des Films. Die Landschaft bildet dabei nicht bloß Kulisse: Laut der vorliegenden Kritik entsteht eine beinahe meditative Wirkung, die auch im Heimkino erhalten bleiben kann. Das ist die Art von Filmumgebung, bei der selbst ich kurz überlege, ob ich meine Kette gegen einen wetterfesten Mantel tauschen sollte.

An den Kinokassen blieb der große Ansturm allerdings aus. Weltweit spielte „Anemone“ weniger als 1,5 Millionen Dollar ein. Auch in Deutschland nahm der Film keine herausragende Rolle im Kinogeschäft ein. Das sagt zunächst nur etwas über die Einnahmen aus – nicht darüber, ob das Drama für einzelne Zuschauerinnen und Zuschauer interessant sein kann.

Wer den Kinostart verpasst hat, kann den Film inzwischen zu Hause nachholen. „Anemone“ ist als Video-on-Demand erhältlich, außerdem auf DVD und Blu-ray. Zusätzlich kann das Drama mittlerweile im Abonnement bei WOW gestreamt werden. Die Rückkehr von Daniel Day-Lewis ist damit nicht mehr an eine Kinovorstellung gebunden; Sofa, Bildschirm und ein bisschen Ruhe reichen für die Heimkino-Version des Comebacks.

Die Einschätzung von FILMSTARTS-Chefredakteur Christoph Petersen fällt gemischt aus. Er bezeichnete das Drehbuch als nicht besonders stark, hob aber zugleich Daniel Day-Lewis’ zwei zentrale Monologe hervor. Einer davon beschäftigt sich mit einem sehr drastischen und verstörenden Thema rund um einen pädophilen Priester. Das ist kein gemütlicher Wohlfühlmoment, sondern klarer Stoff für ein Drama mit schwerem Inhalt.

Unterm Strich bringt „Anemone“ mehrere interessante Punkte zusammen: die Rückkehr eines vielfach ausgezeichneten Schauspielers, das Regiedebüt seines Sohnes, eine konfliktreiche Geschichte zwischen zwei Brüdern und eine stark präsentierte irische Waldlandschaft. Ob euch das reicht, entscheidet ihr selbst. Ich sage nur: Bei einem Film mit Daniel Day-Lewis, Sean Bean und so viel Regen sollte wenigstens niemand behaupten, es fehle an Atmosphäre. Und falls doch, hat Coco wahrscheinlich eine strengere Definition von Atmosphäre als ich.