Hey! Benji hier. Bei Netflix stehen die Kameras offenbar nicht still – aber hinter den Kulissen wird kräftig an der Ausrichtung der Filmsparte geschraubt. Im Mittelpunkt steht David Fincher, der seinen seit Jahren bestehenden Exklusivvertrag mit dem Streamingdienst nach dessen Auslaufen 2027 nicht verlängern wird. Offiziell ist damit zunächst nur das Ende der Zusammenarbeit angekündigt. Ein neuer Bericht liefert nun mögliche Hinweise auf den Hintergrund.

Fincher gehört zu den bekanntesten Regisseuren Hollywoods. Zu seinen Filmen zählen „Sieben“, „Fight Club“, „The Social Network“ und „Mank“. Für Netflix arbeitete er außerdem an Serien wie „House Of Cards“, „Mindhunter“ und „Love, Death & Robots“ mit. Sein nächstes Projekt für den Streamingdienst ist „The Further Mis-Adventures Of Cliff Booth“, eine Fortsetzung der Geschichte aus Quentin Tarantinos „Once Upon A Time... In Hollywood“.

Der Film dreht sich erneut um den Stuntman Cliff Booth und entsteht in enger Zusammenarbeit mit Brad Pitt. Pitt übernimmt dabei wieder die Rolle, die er in Tarantinos Film spielte. Geplant ist zunächst ein Kinostart in IMAX am 25. November 2026. Am 23. Dezember 2026 soll der Film anschließend bei Netflix verfügbar sein. Das ist also der Moment, in dem Fincher seinem bisherigen Streaming-Zuhause noch einmal eine große Leinwand verpasst – inklusive sehr großer Leinwand. IMAX ist schließlich die Filmversion von „Mach das Bild bitte so groß, dass niemand mehr unbemerkt Popcorn holen kann“.

Nach Informationen der Hollywood-Journalistin Tatiana Siegel, die in einem Bericht des US-Portals Page Six auf Insider verweist, soll es zwischen Fincher und Dan Lin zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten gekommen sein. Lin ist bei Netflix für die Filmsparte verantwortlich. Im Zentrum des Konflikts habe der Umgang mit zusätzlichen Dreharbeiten für „The Further Mis-Adventures Of Cliff Booth“ gestanden.

Fincher ist dafür bekannt, sehr langsam und mit zahlreichen Takes zu arbeiten. Außerdem soll er häufig nach dem ersten Schnitt weitere Änderungen verlangen und dafür Nachdrehs ansetzen. Bereits vor einigen Monaten gab es Berichte, dass der Regisseur auch für den Cliff-Booth-Film umfangreiche zusätzliche Aufnahmen plane. Laut dem Page-Six-Bericht habe Lin diese Forderungen zunächst zurückgewiesen und später nur einigen zusätzlichen Drehtagen zugestimmt. Daraus soll der Streit entstanden sein.

Der mögliche Konflikt fällt in eine Phase, in der Netflix seine Filmproduktion neu ausrichtet. Scott Stuber, der zuvor für die Filmsparte zuständig war und als Unterstützer kreativer Projekte galt, wurde im Frühjahr 2024 durch Dan Lin ersetzt. Unter Lin wurden die Zahl der Produktionen reduziert und Budgets stärker begrenzt. Außerdem berichteten Medien zuletzt über die Entlassung von insgesamt rund 1.000 Mitarbeitenden bei Netflix.

Für Fincher war „The Further Mis-Adventures Of Cliff Booth“ dem Bericht zufolge die erste Zusammenarbeit mit Lin. Seine vorherigen Netflix-Filme „Mank“ und „The Killer“ entstanden noch während Stubers Zeit als Filmchef. Eine von Page Six zitierte Quelle beschreibt Finchers Unzufriedenheit sinngemäß als Reaktion auf die finanziellen Begrenzungen. Ob dieser Streit tatsächlich der entscheidende Grund für das Ende des Exklusivvertrags war, ist allerdings nicht offiziell bestätigt. Da muss selbst ich die Pfoten von der dramatischen Musik lassen.

Fincher soll außerdem nicht der einzige bekannte Kreative sein, der mit dem Sparkurs und Lins Arbeitsweise Schwierigkeiten gehabt habe. Page Six berichtet auch von Spannungen zwischen Lin und Ben Affleck im Zusammenhang mit dem Thriller „Animals“, bei dem Affleck als Regisseur und Schauspieler beteiligt war. Eine Person aus Afflecks Umfeld habe dem Portal bestätigt, dass das Verhältnis zu Lin schlecht gewesen sei.

Bei der Premiere von „Animals“ kündigte nicht Lin den Film an, sondern Bela Bajaria, Netflix-Chief-Content-Officer. Bajaria war zuvor vor allem im Serienbereich öffentlich präsent. Inzwischen gehört sie zu den rund 1.000 Beschäftigten, die Netflix entlassen hat. Mehrere Veränderungen treffen damit gleichzeitig aufeinander: Netflix betont die Bedeutung von Kinostarts, begrenzt aber zugleich Produktionen und Budgets. Für Top-Kreative kann das laut dem Bericht zu Spannungen führen.

Wie es nach dem Ende seines Netflix-Vertrags mit David Fincher weitergeht, bleibt offen. Fest steht zunächst nur, dass „The Further Mis-Adventures Of Cliff Booth“ noch bevorsteht und Finchers vorerst letztes Netflix-Projekt sein soll. Ob am Ende der kreative Spielraum, das Budget oder einfach zu viele zusätzliche Drehtage den Ausschlag gegeben haben, ist derzeit nicht offiziell geklärt. Mein Urteil: Der Film kommt erst ins IMAX, dann zu Netflix – und die eigentliche Fortsetzung läuft womöglich schon längst im Büro hinter der Kamera.