Hey! Benji hier – und diesmal geht es um einen Film, bei dem selbst mein übliches „Ich löse das mit einem waghalsigen Plan“ ziemlich kleinlaut klingt. „Der Fuchs“ erzählt von Franz, einem jungen Mann, der in den Wirren des Zweiten Weltkriegs einen verletzten Fuchswelpen findet. Aus dieser Begegnung entsteht keine vermenschlichte Tiergeschichte, sondern ein Drama über Nähe, Verlust und den Versuch, Leben unter unmenschlichen Bedingungen zu bewahren.
Der deutsch-österreichische Film kam im März 2023 in die Kinos. Regie führte Adrian Goiginger, der zugleich das Drehbuch schrieb. Grundlage ist die Lebensgeschichte seines Urgroßvaters, von der dieser ihm bereits erzählte, als Goiginger noch ein Teenager war. Die Erinnerungen ließen ihn offenbar nicht mehr los: Schon damals nahm er sich vor, die Geschichte eines Tages auf die Leinwand zu bringen.
Im Zentrum steht Franz. Seine Kindheit beginnt 1927 in Saalfelden im österreichischen Pinzgau. Er wächst als eines von neun Kindern in der bitterarmen Bergbauernfamilie Streitberger auf. Als die finanzielle Not zunimmt, gibt sein Vater ihn an einen Großbauern ab. Franz arbeitet dort als sogenanntes Hütekind und muss als Knecht dienen. Ein Zuhause, das sich ohnehin nie wirklich sicher angefühlt hat, wird dadurch endgültig zu einem Ort, den er hinter sich lassen will.
Mit seiner Volljährigkeit verlässt Franz seinen Dienstherrn. Nach Hause kehrt er zunächst nicht zurück; Enttäuschung und Wut über seine Kindheit sitzen zu tief. Eine neue Perspektive sucht er beim Bundesheer und kommt dort zu den Motorrad-Feldkurieren. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wird Franz beim Einmarsch in Frankreich eingesetzt. Dort erlebt der junge, eher zurückhaltende Mann das Elend des Krieges unmittelbar.
Mitten in diesem Chaos entdeckt er einen Fuchswelpen, der verletzt ist und seine Mutter verloren hat. Franz nimmt sich des Tieres an, pflegt es gesund und versteckt es im Beiwagen seiner Dienstmaschine. Die Beziehung zwischen den beiden wird zum emotionalen Mittelpunkt des Films. Der Fuchs ist dabei nicht bloß ein niedlicher kleiner Nebenstar – obwohl er diese Rolle optisch natürlich mit bemerkenswertem Einsatz erfüllt. Er bleibt ein Tier, dessen Verhalten nicht einfach menschlichen Gefühlen angepasst wird.
Gerade diese Zurückhaltung ist für die Wirkung der Geschichte wichtig. Goiginger konzentriert sich auf Franz’ Entwicklung und auf die moralische Frage, wie sich Leben schützen lässt, wenn die Umgebung von Gewalt und Zerstörung geprägt ist. Der Film will laut vorliegenden Angaben nicht mit Kitsch arbeiten, setzt aber stark auf Gefühle. Das klingt nach einer Kombination, bei der man besser Taschentücher bereithält und nicht behauptet, man habe natürlich überhaupt nichts im Auge. Das war dann eben Staub. Sehr emotionaler Staub.
Für die Hauptrolle ist Simon Morzé besetzt, bekannt aus „Der Trafikant“. Franz als Kind wird von Maximilian Reinwald gespielt. Zu den weiteren Darstellern gehören Karl Markovics, Pit Bukowski, Alexander Beyer und Adriane Gradziel. Markovics übernimmt die Rolle von Franz’ Vater. In der Besetzungsliste finden sich außerdem Verbindungen zu Produktionen wie „Die Fälscher“, „Babylon Berlin“, „Good Bye, Lenin!“ und der französischen Science-Fiction-Serie „Missions“.
Auch die filmische Gestaltung trägt die historische Welt. Genannt werden aufwendig ausgestattete Kulissen, Fahrzeuge, Waffen und Kostüme. Die Kameraführung übernahmen Yoshi Heimrath und Paul Sprinz. Arash Safaian komponierte die Musik, die die bedrückende Atmosphäre des Films verstärken soll. Zusammen mit den Kampfhandlungen, aber auch den wenigen ruhigen Momenten, entsteht ein Szenario, das Franz’ persönliche Geschichte eng mit der größeren Katastrophe verbindet.
„Der Fuchs“ ist derzeit im Flatrate-Abo von MagentaTV enthalten. Außerdem kann der Film als Video-on-Demand bei Apple TV, Sky Store, maxdome oder Amazon Prime Video ausgeliehen beziehungsweise gekauft werden. Die vorliegende FILMSTARTS-Kritik bewertete das Drama mit vier von fünf möglichen Sternen.
Benjis Schlussurteil, ohne falsche Heldentaten und ohne so zu tun, als hätte ich heimlich den Projektor bedient: Dieser Film setzt auf eine ungewöhnliche Freundschaft, bleibt dabei aber fest in Franz’ Lebensgeschichte verankert. Wer ein Kriegsdrama mit einer leisen, tierischen Verbindung sucht, findet hier einen Titel, der offenbar nicht einfach nach dem Abspann aus dem Kopf verschwindet. Und falls doch: Der Fuchs hat wahrscheinlich schon im Beiwagen nachgesehen.
🎬 Film & Kino
„Der Fuchs“: Ein Kriegsfilm über einen Jungen, einen Soldaten und eine ungewöhnliche Freundschaft
Adrian Goigingers „Der Fuchs“ verbindet ein reales Familienschicksal mit einer Begegnung, die mitten im Krieg Hoffnung bewahrt. Der deutsch-österreichische Film ist derzeit im MagentaTV-Flatrate-Abo sowie bei mehreren Video-on-Demand-Anbietern verfügbar.
