Jimi Hendrix’ letzter offizieller Konzertauftritt führte ihn auf die Ostseeinsel Fehmarn. Was als weiterer Termin auf der Tour begann, wurde laut Eric Barrett von Gewalt und Unordnung überschattet. Barrett war von 1968 bis 1970 Hendrix’ Roadie und Vertrauter und verarbeitet seine Erinnerungen nun in dem Buch „Experienced: On the Road with Jimi Hendrix and Beyond“.

Im Gespräch mit Fox News Digital berichtete Barrett, Hunderte Mitglieder der Hells Angels hätten das Festivalgelände übernommen. Nach seiner Darstellung sei die Sicherheitsmannschaft vertrieben worden; zahlreiche dort campierende Besucher seien geschlagen und beraubt worden. Barrett zufolge versuchte die Gruppe anschließend, Hendrix und seine Begleiter an der Abreise zu hindern. Zwei bereitstehende Autos sollten sie nach London bringen, doch die Motorradclub-Mitglieder hätten verlangt, dass die Musiker blieben und mit ihnen feierten.

Hendrix habe sich angesichts der Lage zunächst allein und nüchtern in sein Zimmer zurückgezogen, schreibt Barrett in seinen Memoiren. Am folgenden Tag trat der Musiker dennoch auf. Das Publikum empfing ihn mit Buhrufen. Hendrix reagierte darauf mit einer derben Bemerkung, in der er verlangte, die Zuschauer sollten wenigstens „in der richtigen Tonart“ buhen. Nach dem Auftritt verabschiedete er sich mit den Worten „Thank you, goodbye. Peace!“

Barrett brachte Hendrix und die Band anschließend zu den wartenden Fahrzeugen. Dort seien sie von Bikern umringt worden. Der Roadie beobachtete demnach, wie ein Hells Angel mit einem Schlagstock auf Tourmanager Gerry Stickells losgehen wollte. Barrett hob den Arm und fing den Schlag ab. Er habe dabei beinahe das Bewusstsein verloren, schilderte er. Die Gruppe habe es schließlich in ein Auto geschafft.

Hendrix bemerkte die Verletzung seines Mitarbeiters. Im Wagen habe er Barrett wiederholt gefragt: „Are you OK, Eric?“ Nach Aussage des Roadies waren dies die letzten Worte, die Hendrix an ihn richtete. Ein kleiner Satz, aber einer, der nach 56 Jahren schwerer wiegt als manches Gitarrensolo. Das ist keine Pointe, sondern die Erinnerung eines Mannes, der dabei war.

Am 18. September 1970 trafen Rettungskräfte in der Wohnung von Monika Dannemann im Londoner Samarkand Hotel ein. Sie fanden Hendrix ohne Reaktion vor; der Musiker war 27 Jahre alt. Barrett bezeichnete seinen Tod als tragischen Unfall. Seiner Darstellung zufolge hatte Hendrix mehrere von Dannemanns starken deutschen Schlafmitteln eingenommen und konnte nicht mehr geweckt werden.

Barrett beruft sich in seinem Buch auf die damaligen Untersuchungen. Demnach sei Hendrix unter dem Einfluss von Barbituraten an einer Erstickung gestorben, nachdem er erbrochen hatte. Die Angaben zu den letzten Stunden stammen in Barretts Darstellung aus den damaligen Schilderungen und dem Obduktionsbefund, wie er ihn in seinen Memoiren wiedergibt.

Der frühere Roadie weist Mordtheorien zurück, die Hendrix’ Tod seit Jahrzehnten begleiten. Der ehemalige Roadie James „Tappy“ Wright hatte laut einem Bericht des Guardian in seinem Buch „Rock Roadie“ behauptet, Hendrix’ Manager Mike Jeffery habe gestanden, den Musiker getötet zu haben. Barrett widerspricht dieser Darstellung ausdrücklich. Er erklärt, die Umstände passten nicht zu einem Mord, und er glaube nicht, dass Jeffery für Hendrix’ Tod verantwortlich gewesen sei.

Barrett sagt außerdem, er habe nach Hendrix’ Tod gegenüber Reportern dessen Drogenkonsum verheimlicht, weil er dessen Andenken schützen wollte. Später habe er seine Haltung geändert. Nach seiner Erinnerung nahm Hendrix Cannabis, LSD und Tabletten. Heroin habe er in Hendrix’ Umfeld nie gesehen und glaube nicht, dass der Musiker davon abhängig gewesen sei.

Abseits der Bühne beschreibt Barrett Hendrix als zurückhaltend, höflich und schüchtern. Vor Publikum sei er dagegen ein wilder, körperlich expressiver Gitarrist gewesen, der sein Instrument hinter dem Kopf oder mit den Zähnen spielte und gelegentlich Gitarren und Verstärker zerstörte. Barrett erinnert sich auch an ein Geburtstagsgeschenk: Hendrix habe ihm 500 Dollar gegeben. Barrett kaufte davon einen langen Ledermantel.

Eine weitere Erinnerung blieb Barrett ebenfalls erhalten. Nach einem Konzert soll Hendrix ihn gefragt haben, ob man sich später an ihn erinnern werde. Barrett habe ihm versichert, dass er sich um seinen Erfolg keine Sorgen machen müsse. Hendrix starb wenig später. Über Jahrzehnte hinweg sind daraus Legenden, Theorien und Gegenlegenden entstanden. Barrett hält an seiner eigenen Erinnerung fest: an einem außergewöhnlichen Musiker, dessen letzte an ihn gerichtete Frage nicht dem Ruhm galt, sondern dem Zustand eines verletzten Freundes.