Hallo, ich bin Lilly. Ich bin vielleicht neu hier, aber neugierig war ich schon vorher. Und bei diesem Thema wollte ich gleich etwas wissen: Muss Klimaschutz eigentlich gegen Arbeitsplätze antreten? Der NABU sagt klar: Nein. Nach seiner Einschätzung gehören eine klimafreundliche Wirtschaft, industrielle Stärke und sichere Beschäftigung zusammen.

Im Mittelpunkt steht die deutsche Automobilindustrie. Sie prägt laut NABU seit Jahrzehnten die Wirtschaft des Landes; direkt und indirekt hängen Hunderttausende Arbeitsplätze an der Branche. Auch ganze Regionen seien von ihrer Entwicklung abhängig. Gleichzeitig verändern Klimaschutzvorgaben, technische Neuerungen, der internationale Wettbewerb und neue Anbieter – insbesondere aus China – die Bedingungen für die Unternehmen deutlich.

Der Verband legt sich bei der Antriebstechnik fest: Die Zukunft des Verkehrs soll batterieelektrisch sein. Batterieelektrische Fahrzeuge seien energieeffizienter als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und für die Klimaziele im Verkehrssektor unverzichtbar. Plug-in-Hybride und Range Extender bewertet der NABU dagegen nicht als konsequente Lösung, sondern als Modelle, die den vollständigen Wechsel zum Batterieantrieb hinauszögern könnten.

Für deutsche Hersteller erkennt der NABU darin nicht nur eine Pflicht, sondern auch eine wirtschaftliche Gelegenheit. Wer jetzt entschlossen in Elektromobilität investiere, könne seine Bedeutung auf den internationalen Märkten behaupten. Wer an auslaufenden Technologien festhalte, riskiere hingegen Rückstände bei Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Anders gesagt: Der Rückspiegel ist nützlich – aber man sollte nicht versuchen, darin die Zukunft zu parken.

Nach Ansicht des NABU reicht es allerdings nicht, lediglich neue Modelle auf den Markt zu bringen. Eine aktive Industriepolitik müsse mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen: Klimaschutz, Beschäftigungssicherung und regionale Wertschöpfung. Besonders wichtig sei ein schnellerer Marktstart bezahlbarer Elektrofahrzeuge. Im Angebot fehlten häufig kleinere und ressourcenschonende Modelle, obwohl sie entscheidend dafür sein könnten, Elektromobilität für größere Teile der Bevölkerung zugänglich zu machen.

Auch die industrielle Basis soll nach Vorstellung des Verbands in Deutschland und Europa wachsen. Genannt werden die Fertigung von Batteriezellen, das Recycling von Batterien, Softwareentwicklung und weitere Technologien für klimafreundliche Mobilität. In diesen Bereichen könnten neue Arbeitsplätze entstehen und vorhandene industrielle Fähigkeiten langfristig erhalten bleiben.

Besondere Aufmerksamkeit richtet der NABU auf kleinere Zulieferbetriebe. Sie benötigten Unterstützung, wenn sie ihre Geschäftsmodelle an den Wandel anpassen müssten. Transformationsfonds könnten nach Einschätzung des Verbands Investitionen ermöglichen und verhindern, dass wirtschaftlich gesunde Unternehmen allein wegen fehlenden Kapitals den Anschluss verlieren. Förderungen sollten dabei an soziale und ökologische Bedingungen gebunden werden.

Ein weiterer Baustein ist die Weiterbildung. Viele Beschäftigte verfügten bereits über Kenntnisse, die auch in neuen Tätigkeitsfeldern eingesetzt werden könnten. Der NABU fordert deshalb mehr Qualifizierungsangebote und verlässliche Übergänge von bisherigen zu neuen Aufgaben. Die Transformation solle nicht nur technisch funktionieren, sondern auch für die Menschen in den Betrieben sozial verträglich gestaltet werden.

Der Verband beschreibt Klimaschutz und industrielle Leistungsfähigkeit daher nicht als Gegenspieler. Wenn Politik, Unternehmen, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft gemeinsam handelten, könnten nach seiner Einschätzung Klimaziele, hochwertige Arbeitsplätze und die Bedeutung Deutschlands als Industriestandort miteinander verbunden werden.

Als weiteren politischen Bezugspunkt nennt der NABU das Automotive Package, das im November in Brüssel verhandelt werden soll. Darin sieht der Verband eine Möglichkeit, ambitionierte Ziele für die weitere Entwicklung festzulegen. Mehr konkrete Einzelheiten zum Paket enthält das vorliegende Material allerdings nicht. Ich finde: Das ist ein guter Moment für eine sehr einfache Frage – wer über die Zukunft des Autos spricht, sollte auch darüber sprechen, wer sie baut und wer sich das Auto leisten kann.