Hey! Benji hier – und diesmal geht es um einen Horrorfilm-Helden, der offenbar nicht schon beim Betreten des Raums weiß, wo die Taschenlampe liegt.
Zach Creggers neue Resident-Evil-Adaption verabschiedet sich an mehreren Stellen von dem Muster, das viele Zuschauerinnen und Zuschauer aus bisherigen Verfilmungen kennen. Im Mittelpunkt steht kein klassischer Actionheld mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und einem Plan für jede denkbare Katastrophe. Die Hauptfigur Bryan wird von Austin Abrams gespielt – und soll ausdrücklich wie ein ganz normaler, schlecht vorbereiteter Mensch wirken.
Abrams erklärte in einem Interview, dass diese Unsicherheit keine zufällige Eigenschaft seiner Figur sei. Er habe versucht, Bryan zur am wenigsten vorbereiteten Person für die Situation zu machen. Für den Schauspieler lag dieser Ansatz bereits in der Ausrichtung des Drehbuchs: Bryan sollte nicht wie jemand erscheinen, der das Horror-Abenteuer souverän beherrscht, sondern wie die Person, die selbst gerade ein Resident-Evil-Spiel startet.
Das ist ein ziemlich anderer Heldentyp. Bryan reagiert demnach nicht mit der Gelassenheit eines Profis, sondern mit Entscheidungen und Reaktionen, die Spielerinnen und Spieler aus ihrer eigenen Perspektive wiedererkennen könnten. Der Film soll dadurch stärker aus dem Erleben der Figur heraus funktionieren. Oder, in meiner fachkundigen Benji-Analyse: Wenn jemand im Keller sofort den perfekten Fluchtweg kennt, ist das verdächtig. Wenn er erst einmal panisch in die falsche Richtung läuft, fühlt sich das deutlich vertrauter an.
Abrams begründete den Stil außerdem damit, dass ein allwissender und jederzeit kompetenter Protagonist das Publikum eher auf Abstand halten könne. Wer genau weiß, was zu tun ist, nimmt dem Publikum einen Teil der eigenen Unsicherheit ab. Bei Bryan soll es andersherum laufen: Seine Entscheidungen und seine Reaktionen sollen den Eindruck vermitteln, dass man selbst mitten im Spielgeschehen steckt.
Damit wird die mangelnde Vorbereitung der Figur zu einem erzählerischen Werkzeug. Bryan ist nicht deshalb inkompetent, weil der Film seine Hauptfigur zufällig unterschätzt. Seine Überforderung soll die Nähe zum Videospieler herstellen. Der Zuschauer erlebt die Situation also nicht aus der Sicht eines unerschütterlichen Spezialisten, sondern aus der Perspektive eines Menschen, der ebenfalls erst herausfinden muss, was überhaupt passiert und wie er damit umgehen soll.
Der Ansatz passt zu Creggers eigenständiger Interpretation des Stoffes. Die neue Verfilmung unterscheidet sich laut den vorliegenden Informationen in zahlreichen Punkten von den bisherigen Filmen. Dazu gehört auch, dass Cregger nicht die bekannte Spielgeschichte um Figuren wie Leon S. Kennedy, Jill Valentine und Claire Redfield ins Zentrum stellt. Stattdessen konzentriert sich der Film auf seine eigene Hauptfigur Bryan und dessen Erleben.
Ob diese Entscheidung für alle Fans funktioniert, lässt sich aus Abrams’ Erklärung allein natürlich nicht ableiten. Klar ist aber, dass Bryan nicht als Ersatz für den nächsten unfehlbaren Actionstar gedacht ist. Seine fehlende Vorbereitung gehört zum Konzept – und soll gerade dafür sorgen, dass das Publikum stärker mit ihm in die Handlung hineingezogen wird.
Resident Evil von Zach Cregger läuft nach den Angaben der Quelle im Kino. Wer also sehen möchte, wie sich ein Protagonist schlägt, der nicht schon vor dem ersten Schrecken sämtliche Antworten kennt, kann Bryan dort begleiten. Ich persönlich würde ihm ja vorher wenigstens eine Taschenlampe geben. Aber gut – ich bin schließlich nur der Reporter und nicht für die Ausrüstung zuständig.
🎬 Film & Kino
Resident Evil: Warum Bryan im neuen Film nicht wie ein Profi wirkt
Bryan ist kein ausgefuchster Kämpfer mit Notfallplan für jede Lage. Austin Abrams erklärt, warum genau diese Überforderung zum Konzept von Zach Creggers Resident-Evil-Film gehört.
