Hallo. Rhonda hier. Wenn ein Präsident einen Schauspieler zum Sonderbotschafter ernennt, wäre ein kurzer Anruf vermutlich die elegante Variante. Sylvester Stallone erfuhr nach eigener Darstellung allerdings aus dem Fernsehen, dass Donald Trump ihn gemeinsam mit Mel Gibson und Jon Voight für eine besondere Hollywood-Rolle vorgesehen hatte. Ein bemerkenswert unbürokratischer Einstieg.

Trump hatte am 16. Januar 2025 auf Truth Social angekündigt, die drei Schauspieler sollten ihm als „Special Envoys“ für Hollywood dienen. Sie sollten als seine „Augen und Ohren“ fungieren und ihn dabei beraten, wie Film- und Fernsehproduktionen wieder stärker in die USA geholt werden könnten. Trump bezeichnete Hollywood zugleich als einen „großartigen, aber sehr problematischen Ort“ und stellte eine neue Blütezeit der US-Unterhaltungsbranche in Aussicht.

Im Gespräch mit der „Sunday Times“, über das Page Six berichtet, sagte Stallone, er habe die Nachricht während des Fernsehens gehört. Seine Reaktion sei sinngemäß gewesen: „Was?“ Vor einer solchen Aufgabe hätte man ihn nach eigener Aussage zunächst fragen müssen. Dann hätte er vermutlich erklärt, dass das Vorhaben nicht machbar sei.

Seine Skepsis begründete der 80-jährige „Rocky“-Star mit den Strukturen der Branche. Hollywood bestehe aus verschiedenen kleinen Machtbereichen, sagte Stallone. Die Studios hätten ihre eigenen „Königreiche“ – und sechs Studios ließen sich nicht einfach von außen vorschreiben, wie sie zu arbeiten hätten. Auch er selbst, Gibson und Voight seien eher Menschen, die ihre Dinge auf eigene Weise erledigten. Aha. Das klingt weniger nach einem harmonischen Ausschuss als nach drei sehr unterschiedlichen Kompassen im selben Raum.

Stallone berichtete, dass er Trump später seine Bedenken erklärt habe. Er habe sich bedankt und sich anschließend verabschiedet, weil er die Aufgabe für unmöglich hielt. Hollywood funktioniere und werde sich weiterentwickeln, sagte er. Außerdem sei die Branche stark von Unternehmen geprägt; Menschen aus der Geschäftswelt würden vermutlich nicht darauf warten, dass er ihnen Finanzratschläge erteile.

Auch Mel Gibson hatte Trumps Ankündigung nach eigener Aussage nicht erwartet. Im Januar 2025 erklärte er gegenüber „Variety“, er habe den entsprechenden Beitrag gleichzeitig mit allen anderen gesehen und sei ebenso überrascht gewesen. Trotzdem wolle er als Bürger jede mögliche Hilfe und Einsicht einbringen. Mit einem Scherz über eine mögliche Residenz für Botschafter lockerte Gibson die Angelegenheit damals auf. Die Immobilienfrage war damit zumindest charmant auf dem Tisch.

Stallones Verhältnis zu Trump wirkt trotz seiner Vorbehalte gegenüber dem Amt freundlich. Wenige Tage nach Trumps Wahlsieg im November 2024 stellte Stallone den damaligen Präsidenten bei einer Gala des America First Policy Institute in Trumps Mar-a-Lago-Club in Palm Beach vor. Dabei bezeichnete er Trump als mythische Figur und verglich ihn mit einem zweiten George Washington. Das war deutlich mehr als ein höfliches Nicken vom Bühnenrand.

Stallone wurde später als einer der Kennedy-Center-Honorees 2025 ausgewählt. Trump benannte ihn gemeinsam mit George Strait, KISS, Gloria Gaynor und Michael Crawford als Empfänger dieser Auszeichnung. Politisch hat Stallone im Lauf der Jahre sowohl republikanische als auch demokratische Kandidaten und Komitees finanziell unterstützt, darunter John McCain, Trump, Joe Biden und das Democratic National Committee.

Jon Voight scheint seine Sonderbotschafterrolle entschlossener zu verfolgen. Er traf sich mit Vertretern des Weißen Hauses und setzte sich für Maßnahmen ein, die Film- und Fernsehproduktionen in die USA zurückholen sollen. Besonders geht es dabei um einen bundesweiten Steueranreiz für Filmproduktionen. Voight arbeitet in diesem Zusammenhang mit seinem Manager Steven Paul sowie dessen Geschäftspartner Scott Karol.

Nach einem Treffen mit dem Trio unterstützte Trump Ende August einen bundesweiten Anreiz für Film- und Fernsehproduktionen. In einem Beitrag vom 31. August schrieb er, Hollywood sei ein „komplettes und totales Desaster“, und forderte Republikaner und Demokraten auf, gemeinsam Gesetze zur Unterstützung der amerikanischen Unterhaltungsbranche auszuarbeiten. Senator Adam Schiff und die Abgeordnete Laura Friedman äußerten anschließend Unterstützung für Trumps Vorschlag.

Ob Stallone und Gibson an Voights Bemühungen beteiligt sind, bleibt dabei differenziert. Voight sagte dem „Hollywood Reporter“, beide seien sehr beschäftigt. Steven Paul erklärte im selben Gespräch jedoch, Stallone sei trotz seiner Arbeit an seiner Fernsehserie sehr engagiert und habe den entsprechenden Brief unterzeichnet. Ganz aus dem Bild ist er also nicht verschwunden. Er möchte nur offenbar vorher wissen, worum es geht. Eine ausgezeichnete Angewohnheit – besonders in Hollywood.