Hey! Benji hier. Donald Trump und Hollywood waren bisher ungefähr so harmonisch wie Coco und ein ungeprüfter Stuntplan. Jetzt will ausgerechnet der US-Präsident die amerikanische Filmindustrie mit einem neuen Fördermodell stärken. Der große Haken: Der Plan steht bislang auf politischen Skizzen, nicht auf geltendem Recht.
Der Hintergrund ist ein internationaler Standortwettbewerb. Länder wie Großbritannien, Kanada, Ungarn und Bulgarien werben mit finanziellen Vorteilen um Film- und Serienproduktionen. Dadurch entstehen zahlreiche Projekte, die zwar als amerikanische Produktionen gelten, tatsächlich aber außerhalb der Vereinigten Staaten gedreht werden. „Barbie“ und „Supergirl“ nutzten teilweise Warner-Studios in Leavesden, „Wicked“ entstand in den Sky Studios Elstree. Auch „Avengers: Doomsday“ und „Mission: Impossible 8“ wurden zu großen Teilen in Großbritannien realisiert.
Bei Serien ist Kanada ein wichtiger Drehort, unter anderem für „Reacher“. Ungarn wurde für Produktionen wie „Dune“ und „Poor Things“ genutzt, während Bulgarien besonders bei Actionfilmen im B-Movie-Bereich eine Rolle spielt. Nach den vorliegenden Angaben wurden 2025 rund 45 Prozent der amerikanischen Filme und fiktionalen TV-Produktionen außerhalb der USA gedreht. Gleichzeitig liegen die Drehtage innerhalb der Vereinigten Staaten weiterhin unter dem Stand vor der Corona-Pandemie. Leere Studios und fehlende Beschäftigung für Filmschaffende gehören zu den Folgen dieser Entwicklung.
Im Mai 2025 hatte Trump noch eine andere Antwort angekündigt: Produktionen außerhalb der USA sollten mit einem Zoll von 100 Prozent belegt werden. Wie ein solcher Zoll auf einen Film praktisch angewendet werden sollte, blieb damals offen. Nun verfolgt Trump offenbar einen deutlich klassischeren Förderansatz. Statt Auslandsdrehs zu bestrafen, sollen Produktionen in den USA günstiger werden.
Trump fordert dafür ein bundesweites Produktionsprogramm. In einem Beitrag auf Truth Social rief er den Kongress dazu auf, einen entsprechenden Anreiz zu beschließen und damit Arbeitsplätze in der amerikanischen Unterhaltungsindustrie zu schaffen. Republikaner und Demokraten sollten bei der Gesetzgebung zusammenarbeiten. Das Vorhaben soll den Namen „Motion Picture, Television, and Entertainment Revitalization Act“ tragen.
Wie hoch die Förderung am Ende ausfallen könnte, ist derzeit nicht offiziell festgelegt. Aus dem Umfeld von Jon Voight sowie beteiligten Branchenverbänden wird jedoch ein Modell mit einem Steueranreiz von ungefähr 20 Prozent auf die in den USA anfallenden Arbeitskosten genannt. Dazu könnten vor allem die Gehälter von Besetzung und Crew zählen. Das ist bislang eine mögliche Ausgestaltung, keine beschlossene Regelung – ein kleiner, aber wichtiger Unterschied. Sonst rennt Benji gleich mit dem Taschenrechner über den roten Teppich.
Besonders interessant wäre die Kombination mit den bereits bestehenden Programmen einzelner Bundesstaaten. Kalifornien will künftig 750 Millionen Dollar pro Jahr für Film- und Serienproduktionen bereitstellen. Auch Georgia, New York, New Mexico, Louisiana und weitere Bundesstaaten versuchen, Projekte mit eigenen Förderungen anzuziehen. Ein bundesweiter Zuschuss könnte als zusätzlicher Grundbetrag funktionieren, auf den die jeweiligen Bundesstaaten ihre eigenen Vorteile aufsetzen.
Damit würden Produktionen nicht nur zwischen einzelnen US-Bundesstaaten wählen, sondern gegenüber Drehorten wie London, Vancouver oder Budapest ein insgesamt stärkeres Finanzpaket erhalten. Genau diese Verbindung von Bundes- und Länderförderung wird von Tony Armer und Katie Pryor von Film USA im Branchen-Podcast „The Town“ als möglicher Kern des Konzepts beschrieben. Die bestehenden Programme würden demnach nicht ersetzt, sondern ergänzt.
Unterstützung kommt aus mehreren Teilen der Branche. Die Motion Picture Association, Filmgewerkschaften und verschiedene Lobbyverbände begrüßten Trumps Vorstoß. Auch der demokratische Senator Adam Schiff, der Trump lange kritisch gegenübersteht, äußerte grundsätzlich Zustimmung zur Idee einer bundesweiten Förderung. Jon Voight, einer von drei zu Beginn von Trumps zweiter Amtszeit ernannten Hollywood-Botschaftern, soll sich zuvor für Anreize anstelle von Strafmaßnahmen eingesetzt haben. Neben Voight gehören Mel Gibson und Sylvester Stallone zu diesem Botschafter-Trio.
Die politische Kehrtwende wirkt auch deshalb bemerkenswert, weil Trump Hollywood über Jahre scharf angegriffen hat. Er kritisierte unter anderem die Oscar-Verleihung, wandte sich gegen die Auszeichnung des südkoreanischen Films „Parasite“ als Bester Film und geriet wiederholt mit bekannten Schauspielern wie Robert De Niro, Meryl Streep, George Clooney und Mark Ruffalo aneinander. Jetzt unterstützt er eine Maßnahme, die Teile der Filmbranche schon lange verlangen. Benji nennt das: erst gegen den Drehort schimpfen, dann den Förderantrag halten. Das Ergebnis zählt – sofern der Antrag nicht im politischen Papierstapel verschwindet.
Noch fehlen zentrale Details. Unklar sind unter anderem die endgültige Förderhöhe, die anrechenbaren Kosten, die teilnahmeberechtigten Produktionen und die zuständige Verwaltung. Auch der Gesetzestext liegt noch nicht vor. Trump strebt einen Start zum 1. Januar 2027 an; Branchenvertreter hoffen, dass das Gesetz noch 2026 verabschiedet wird. Nach Angaben von Film USA wird an einer entsprechenden Lösung bereits seit rund eineinhalb Jahren gearbeitet.
Ob der Plan tatsächlich mehr Produktionen in die Vereinigten Staaten bringt, lässt sich deshalb noch nicht sagen. Fest steht nur: Aus Trumps früherer Zoll-Drohung ist ein Fördervorschlag geworden, der Hollywood wieder konkurrenzfähiger machen soll. Der nächste entscheidende Schauplatz ist nun nicht das Set, sondern der Kongress. Und dort braucht selbst ein Präsident mehr als eine markige Ansage – nämlich Stimmen, Regeln und einen fertigen Gesetzestext.
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Trump will Hollywood mit Fördergeld zurück in die USA locken
Donald Trump setzt im Kampf gegen ausländische Drehorte plötzlich auf Anreize statt Strafzölle. Sein möglicher Förderplan könnte US-Produktionen finanziell doppelt anschieben – beschlossen ist bisher allerdings noch gar nichts.
