Hey! Benji hier. Was willst du wissen – und warum glaubst du, Coco hätte recht? Heute geht es um Isekai, also um Geschichten, in denen eine Figur aus ihrer vertrauten Welt in eine andere Realität gelangt. Meistens gibt es dort Magie, Monster und eine zweite Chance. Manchmal gibt es auch Schleime. Sehr viele Schleime. Ich sage nicht, dass das Genre ein Problem mit glibberigen Hauptfiguren hat – aber die Beweislage ist auffällig.
Der japanische Begriff „Isekai“ bedeutet sinngemäß „andere Welt“. Im Zentrum steht häufig ein Mensch aus unserer Realität, der in einer fremden Welt wiedergeboren oder dorthin versetzt wird. Dabei kann die neue Existenz mit besonderen Fähigkeiten verbunden sein. Ebenso wichtig ist der erzählerische Neustart: Die Hauptfigur lässt ihr bisheriges Leben hinter sich und muss sich in einer Umgebung behaupten, deren Regeln zunächst völlig anders funktionieren.
Das Motiv ist jedoch keine Erfindung des modernen Manga. In Dave Duncans Roman „Der widerspenstige Schwertkämpfer“ erwacht der todkranke Wallie Smith im Körper des Schwertkämpfers Shonsu und findet sich in einer fremden Welt mit einem neuen Götterpantheon wieder. Auch der Gandalara-Zyklus von Randall Garrett und Vicki Ann Heydron arbeitet mit einem Weltenwechsel: Der Protagonist gelangt nach seinem Tod in eine Wüstenwelt und begegnet dort unter anderem einem telepathischen Säbelzahntiger. Stephen R. Donaldsons „Der Lord-Foul-Zyklus“ versetzt Thomas Covenant aus unserer Realität in das magische „Land“.
Der Manga-Boom hat diese Grundidee stark geprägt und mit einer Spielästhetik verbunden. Figuren sehen Statusfenster, sammeln Erfahrung, lernen Fähigkeiten und beurteilen Gefahren nach Regeln, die an Rollenspiele oder MMORPGs erinnern. Für Leserinnen und Leser, die solche Spielmechaniken kennen, ist der Zugang entsprechend direkt. Die Welt erklärt sich oft über Level, Skills und sichtbare Fortschritte – ein System, bei dem sich Anstrengung zumindest auf dem Papier ordentlich abrechnen lässt. Wenn das echte Leben doch auch Erfahrungspunkte für Steuererklärungen vergeben würde.
Im deutschen Manga-Handel sind mehrere Varianten dieses Prinzips präsent. „Meine Wiedergeburt als Schleim in einer anderen Welt“ erzählt von einem getöteten Angestellten, der als scheinbar schwacher Schleim neu beginnt und sich durch seine Fähigkeiten ein eigenes Reich aufbaut. „Mushoku Tensei – In einer anderen Welt ein neues Leben beginnen“ verbindet den Weltenwechsel mit einer ausführlichen Entwicklung der Hauptfigur. „Overlord“ dreht die klassische Heldenperspektive um, indem der Protagonist als mächtiger untoter MMORPG-Avatar handelt. „Ich habe 300 Jahre lang Schleim getötet und aus Versehen das höchste Level erreicht“ setzt dagegen stärker auf einen entschleunigten Alltag und humorvolle Übertreibung.
Auch die aktuellen Neuerscheinungen zeigen, wie breit das Feld inzwischen ist. Panini führt „Mushoku Tensei – Im Schatten des Magiers #2“ für 10 Euro. Ebenfalls neu dabei sind unter anderem „Ich bin ein mächtiger Behemoth… #14 …und lebe als Kätzchen bei einer Elfe“ für 10 Euro, „Mein Isekai Leben #28“ für 8 Euro sowie „Leben im Land der Dämonen – Meine Wiedergeburt als Schleim in einer anderen Welt #9“ für ebenfalls 8 Euro. Dazu kommen Fantasy- und Manga-Reihen wie „Overgeared #10“, „Aisha – Noch einmal ins Licht #3“ und „Die falsche Kurtisane – Heilerin am Kaiserhof #5“. Das Regal sagt also ziemlich deutlich: Der Weltenwechsel hat nicht vor, sich wieder abzumelden.
Interessant wird es beim Blick auf den Austausch zwischen Medien. Die Quelle beschreibt Isekai als Schnittstelle zwischen Manga, Light Novels, Videospielen und Rollenspielen. Elemente, die in Spielen vertraut sind, werden in Manga übertragen. Anschließend wandern diese Bausteine wieder zurück in westliche Fantasyromane. Sichtbare Level, Inventare und Talentbäume erscheinen dort in den Genres LitRPG und GameLit.
Als bekanntes Beispiel für diese Spielart wird Matt Dinnimans „Dungeon Crawler Carl“ genannt. Das Prinzip lautet: klassische Romanhandlung, aber mit den Denk- und Regelmustern eines Spiels. Aus Fantasy wird dadurch kein Computerspiel – zum Glück, sonst müsste ich beim Lesen wahrscheinlich ständig speichern –, doch die Struktur erinnert an digitale Abenteuerwelten.
So betrachtet ist Isekai weniger ein einzelner Handlungstrick als ein Kreislauf. Ein altes Fantasy-Motiv wird in Japan neu stilisiert, durch Manga und Spiele weiterentwickelt und gelangt anschließend in veränderter Form wieder in die westliche Romanlandschaft. Wer das Konzept mag, kann am kommenden Samstag beim Gratis Manga Day kostenlos in passende Titel hineinlesen. Und wer lieber die „Welt davor“ erkundet, findet laut Quelle im Comicdealer-Angebot auch eine große Auswahl antiquarischer Bücher. Benji-Prognose: Egal, welche Welt man betritt – irgendwo wartet bestimmt ein Band mit Fortsetzung.
💥 Comics
Vom zweiten Leben bis zum Schleim: Warum Isekai überall auftaucht
Eine fremde Welt, ein neues Leben und plötzlich stehen Statuswerte über dem Familienfrühstück: Isekai gehört längst zu den festen Größen im Manga-Regal. Das Konzept reicht allerdings weiter zurück, als es manche Levelanzeige vermuten lässt.
